1-2-3-KOREA

Deoksugung (Palast / Palace) Seoul

 

CLICK HERE TO READ THE POST IN ENGLISH

 

Die Besonderheit des Deoksugung Palast ist zum einen seine Lage inmitten der Innenstadt von Seoul sowie seine architektonische Mischung aus traditionellen koreanischen Holzgebäuden mit klassischen westlichen Prunkbauten aus Stein, die von der relativ späten Blüte des Palastes zu Ende der Joseon-Herrschaft im späten 19.Jahrhundert zeugen.

Dies lässt ihn vielleicht im Vergleich mit anderen Palästen etwas ‘inhomogen’ erscheinen, er verbildlicht damit auch perfekt den immer noch existierenden Spagat Koreas zwischen Moderne und Tradition. Auf jeden Fall erfreut sich der zu jeder Tageszeit stark frequentierte Palast mit seiner Parkanlage bei Touristen, Einwohnern und jungen Pärchen groβer Beliebtheit und seine Auβenmauer erzeugt mit ihrer schlichten Schönheit einen wunderbaren Kontrast zu der sie umgebenden Szenerie der Groβstadt.

Noch zu Ende des 19. Jahrhunderts bedeckte der Deoksugung Palast eine fast dreimal so groβe Fläche wie heute. Seine Mauern umschlossen damals unter anderem noch den Bereich, auf dem man heute das Rathaus der Stadt sowie die Seoul Plaza findet.

Deoksugung Map (Palace area 1910)Deoksugung Map (Palace area 1910)

Ähnlich wie beim Changgyeonggung bietet er leider nur eine begrenzte Anzahl traditioneller Holzgebäude, und im Gegensatz zum Gyeongbokgung oder Changdeokgung vermisst man hier ein wenig die normalerweise von vielen Toren und Vorhöfen geprägte, typische Palaststruktur.

Dies ist es aber auch, was den Deoksugung zu etwas Besonderem macht: während sich die westlichen Besucher wohl vor allem an den traditionellen Gebäuden erfreuen, scheinen Koreaner und asiatische Besucher eher von den Steinbauten mit ihrem Park im westlichen Stil fasziniert zu sein. Zumindest ist die Besucherdichte dort am gröβten.

Geschichte des Palastes

 

 

Nachdem im sogenannten Imjin Krieg, der japanischen Invasion von 1592 – 1598, sämtliche Paläste der Hauptstadt zerstört worden waren, wurde die einstige Villa des Prinzen Wolsan (1454-1488) zur temporären Unterkunft für den von seiner Flucht nach Hanyang (dem heutigen Seoul) zurückgekehrten King Seonjo ausgebaut.

Sein Nachfolger, König Gwanghaegun, wurde hier gekrönt und machte die Anlage (eingerechnet der anderen zwischenzeitlich zerstörten Paläste) zum insgesamt fünften Palast der Stadt. Er erhielt den Namen ‘Gyeongungung’, was aber nichts daran änderte, dass der König seinen Wohnsitz 1618 in den inzwischen restaurierten Changdeokgung Palast verlegte und dieser damit wieder als fester Regierungssitz diente.

Der ‘Gyeongungung’ wurde von da an schlicht ‘Seogung’ (West-Palast) genannt und fristete die folgenden 270 Jahre ein Dasein als Zweitpalast der Königsfamile, bis Kaiser Gojong 1897 nach der Ermordung seiner Frau seinen Regierungssitz vom damals bereits restaurierten Gyeongbokgung noch einmal für 10 Jahre hierher verlegen sollte.

Emperor Gojong (Wikipedia)Emperor Gojong (Wikipedia)

Auch nach seiner von den japanischen Besatzern erwungenen Abdankung verblieb Gojong bis zu seinem Tod im Jahre 1919 innerhalb der Mauern des inzwischen in ‘Deoksugung’ umbenannten Palastes.

Sein Nachfolger und letzter Regent der Joseon Dynastie, Kaiser Sunjong, sollte zuerst als ‘Schattenkaiser’ und später als Geisel den Rest seines Lebens im Changdeokgung verbringen.

Palast-Rundgang

 

Biegt man nach Durchschreiten des Palasthaupttores ‘Daehanmun’ gleich nach rechts ab, kommt man zu einem Cafe, hinter dem sich ein kleiner romatischer Teich befindet.

Deoksugung PondDeoksugung Pond

Geht man aber wie der Groβteil des Besucher gerade aus, gelangt man auf eine breite Allee, die sich entlang der südlichen Palastmauer zieht.

Dabei passiert man bereits kurz nach dem Tor die 1411 erbaute ‘Geumcheongyo’ Brücke, die bei groβem Besucherandrang trotz ihrer 12,5m Breite und nur 12,9m Länge durchaus übersehen werden kann. Sie wurde 1970 restauriert. Wie in allen Palästen findet man auch hier eine erhöhte Spur in der Mitte, die nur für den König reserviert war.

Nach der Brücke öffnet sich rechter Hand ein kleiner Park ohne besondere Flora, an dessen nördlichen Rand sich das ‘Hamnyeongjeon’ sowie das erst 1911 fertiggestellte ‘Deokhongjeon’ befinden.

Deokhongjeon (left) & Hamnyeongjeon (right) behind the GateDeokhongjeon (left) & Hamnyeongjeon (right) behind the Gate

Beide Gebäude stehen in einem Hof, der vom Park aus durch ein Tor betreten werden kann.

Während das ‘Deokhongjeon’ ein repräsentatives Gebäude zum Empfang von teils auch ausländischen Gästen war, handelt sich beim 1897 erbauten ‘Hamnyeongjeon’ um ein Privatgemach König Gojongs. Er pflegte dort auch zu schlafen und es ist überliefert, dass er in diesem Gebäude im Jahre 1919 verstorben sein soll. Allerdings handelt es sich um ein restauriertes Gebäude, das nach einem Feuer 1904 wiedererrichtet worden war.

Hinter diesen beiden Gebäuden liegt durch einen bewaldeten Garten etwas versteckt einer der Lieblingsplätze des Königs, der sogenannte ‘Jeongwanheon’.

JeonggwanheonJeonggwanheon

In dem 1900 von einem russischen Architekt entworfenen und erbauten Pavillion wurden ausländische Gäste auf Banketten bewirtet, der König genoss dort aber auch teilweise seine Freizeit bei einer Tasse Kaffee. Das Gebäude ist zwar im koreanischen Stil erbaut, enthält aber viele westliche Elemente und kann daher als das erste westliche Gebäude in einem koreanischen Palast überhaupt angesehen werden.

Etwas weiter Richtung Westen stehen vier weitere Gebäude im koreanischen Stil.

Das bedeutendste ist sicherlich die Thronhalle, das Junghwajeon, die sich mit ihrem groβen Vorhof auf einem riesigen steinenen Sockel erhebt.

JunghwajeonJunghwajeon

Der Bereich ist zwar von einem Tor geschützt, sonst aber ungewöhnlicherweise nach allen Seiten hin offen zugänglich.

Im Bereich hinter der Halle erheben sich dann das ‘Seongeodang’, das ‘Jeukjodang’ und das ‘Junmyeongdang’.

Im ‘Jeukjodang’ waren einst zwei Könige gekrönt worden: zuerst im Jahre 1608 der später von oppositionellen Kräften wieder enthronte König Gwanhaegun, sowie 1623 dessen Nachfolger, König Injo. Das Schild über dem Eingang des Gebäudes soll von Gojong persönlich nach seiner Proklamation zum Kaiser im Jahre 1905 geschrieben worden sein. Leider wurde das ‘Jeukjodang’ 1904 ebenfalls in einem Feuer zerstört, aber sofort wiedererrichtet.

Das selbe Schicksal hatte auch das benachbarte ‘Junmyeongdang’ ereilt, in dem Kaiser Gojong während seiner Amtszeit bis 1907 besondere (auch ausländische) Gäste empfangen hatte.

Im farblich relativ schlichten ‘Seongeodang’ verstarb mit Seonjo (1567–1608) der König, während dessen Regentschaft die Hauptpaläste Gyeongbokgung und Changdeokgung von den Japanern (Imjin Krieg) zerstört worden waren. Er war damit auch der erste Monarch, der den nun ausgebauten Deoksugung zum ersten Mal als festen Wohn- und Regierungssitz nutzte.

Damit sind aber schon alle wichtigen Holzgebäude aufgezählt. Übrig bleiben nur noch die beiden sich im westlichen Palastbereich befindenden neoklassizistischen Steingebäude.

Als das Seokjojeon 1910 erbaut wurde, war gerade der letzte Herrscher der Joseon Dynasty (der wieder im Changdeokgung lebende Kaiser Sunjong) durch die japanischen Besatzer entgültig entmachtet worden und damit auch die Monarchie in Korea zu Ende gegangen.

Seokjojeon (Western park in the front)Seokjojeon (Western park in the front)

Das Gebäude diente dem 1907 abgedankten Ex-Regenten Gojong als ‘Audienzhalle’ und Schlafgemach. Später nach seinem Tod wurde es als Tagungsort für Konferenzen und als Kunstmuseum genutzt. Seit 2014 beherbergt es vor allem es das ‘Daehan Empire History Museum’, wobei in den beiden oberen Stockwerke wiederhergestellten privaten Gemächer des Kaisers nur in geführten Gruppen zu besichtigen sind. Der Kellerbereich mit Ausstellungen ist frei zugänglich.

Das benachbarte ‘Nationale Museum für moderne und zeitgenössische Kunst’ wurde in den 30iger Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut und hat auf 2 Stockwerken vier groβe Gallerien, in denen sich Ausstellungen abwechseln. Der Eintritt ist jedoch zumindest teilweise kostenpflichtig.

Deoksugung Art Museum (Western park in the front)Deoksugung Art Museum (Western park in the front)

Passend zu den beiden Gebäuden zeigt sich auch der vorgelagerte Park mit seinem Brunnen und der Laube im westliche Design. Von hier aus läβt sich die umliegende Skyline der Stadt am besten bestaunen.

Deoksugung Western ParkDeoksugung Western Park

Wer nicht nicht vor hat, allzu lange im Palast zu verweilen oder die beiden Museen zu besuchen, hat nach 30 Minuten alles Wichtige gesehen. Er sollte nicht die Zeremonien der Palastwachen verpassen, die in regelmäβigen Abständen aufgeführt werden und die im Gegensatz zur etwas Wachablöse im Gyeongbokgung Palast die Möglichkeit zu Selfies mit den Protagonisten bietet.

Die ca. 30 min Wachwechselzeremonien finden ganzjährlich / täglich / ausgenommen Montags um 11.00 / 14.00 / 15.30 Uhr statt.

Eintritt & kostenlose Führungen

 

Ticketpreis:                      KRW 1000 (Kinder KRW 500)

Im ‘Integrated Ticket of Palaces’ enthalten.

09:00 – 21:00 Uhr

  • Montag Ruhetag
  • Ticketverkauf endet 1 Stunde vor Schlieβung

Führungen:

A. Palast

Englisch:      10:30, 13:30 Uhr (Dienstag – Freitag)

13:30 Uhr            (Samstag/Sonntag)

An Feiertagen finden keine Führungen statt.

B. Seokjojeon

Die 45 minütigen Führungen können ausschlieβlich über das Internet gebucht werden, allerdings nur auf der koreanischen Seite von www.deoksugung.go.kr (Kontakt Tel. +82-02-751-0753).

Pro Führung werden 15 Plätze über das Internet und 5 Plätze vor Ort direkt vergeben. Diese 5 Plätze sind für Ausländer oder Senioren älter als 65 Jahre reserviert. Wer zuerst kommt, ist dabei! Man trifft sich wohl am Haupteingang / Informationstisch im Gebäude. Dort gibt es auch Audioguides in Englisch.

Die Führungen starten entsprechend der unteren Tafel:

Seokjojeon Tour TimetableWas gibt es zu sehen?

U. a. restaurierte Räumlichkeiten wie Audienzhalle, grosser Esssaal, privater Essraum, Schlafzimmer des Kaisers und der Kaiserin (sie wurde allerdings schon vor Umzug in den Deoksugung ermordet) sowie die Bibliothek.

Seokjojeon Map

Lage und Anfahrt

 

Der nächstgelegene U-Bahnhof ist ‘City Hall’, wo sich die beiden Linien 1 und 2 kreuzen. Es empfiehlt sich, die beiden nur wenige Meter vom Daehanmun (Palasthaupttor) entfernten Ausgänge 1 oder 2 zu benutzen.

Deoksugung Arrival MapSeoul Palaces Walking distances

Seoul Palaces Walking distances