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Hwaseong (Festungsmauer / Fortress) Suwon

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Etwa 35 km südlich von Seoul liegt Suwon, die Haupstadt der Provinz Kyongkido, wo sich eine von insgesamt 10 koreanischen Weltkulturerbestätten befindet: die Hwaseong-Festungsmauer.

Das während des Koreakrieges stark beschädigte Bauwerk wurde Ende der 90ziger Jahre orginalgetreu mit allen Toren und Türmen rekonstruiert und umschliesst heute auf ca. 5,7 km Länge bis auf einige hundert Meter fast vollstandig den alten Stadtkern.

Hwaseong Fortress - Old Map (Wikipedia)Hwaseong Fortress – Old Map (Wikipedia)

Dabei überquert die Mauer an 2 Stellen einen Fluss (Daecheon) und verläuft über zwei Hügel, unter anderem den Paldalsan.

Die an der Auβenseite ca 5m hohe Steinmauer ist über weite Teile von innen durch einen Erdwall verstärkt, der die Widerstandskraft bei Kanonenbeschuss erhöhen sollte.

Vor kurzem wurden in der Nähe des Südtores weitere 100m Mauer inklusive eines Schleusentors rekonstruiert. Die vollständige Schliessung der noch verbliebenen Lücke ist derzeit aber eher unwahrscheinlich, da hier eine nicht unbeträchtliche Zahl von Häusern im alten Marktviertel der Stadt weichen müssten.

Die Stadt investiert viel in den Ausbau bzw. die Instandhaltung der gesamten Anlage, daher wird seit einigen Jahren auch eine Eintritsgebühr von (immer noch lächerlichen) KRW 1000 verlangt. Leider war man bei der Beseitigung von schattenspendenden Bäumen zu übereifrig, was nicht nur an heiβen Sommertagen etwas ärgerlich ist. Auβerdem wurden innerhalb und auβerhalb der Mauer viele alte Häuser entfernt.

Removal of old housesRemoval of old houses

Dieser Vorgang scheint aber noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor werden alte und baufällige Häuser abgetragen und die Mauer immer mehr von der Innen- und Auβenstadt isoliert, womit der Ort einiges von seinem alten Flair verliert.

Ein Umrundung auf bezw.an der Auβenseite der Mauer dauert ungefähr 2 – 3 Stunden. Das schöne an dieser Sehenswürdigkeit ist, daβ sie 24 Stunden am Tag an jeder Stelle zugänglich ist. Da Korea ein sehr sicheres Land ist und die Anlage sowohl auβen wie innen von unzähligen Scheinwerfern beleuchtet wird, kann auch ein Spaziergang bei Dunkelheit sehr reizvoll sein.

Allerdings sind die Zugänge zu vielen Türmen dann verschlossen – im Winter übrigens ganztägig.

Die Festungsanlage hat in jeder Himmelsrichtung ein Hauptor sowie vier weitere sogenannte ‘geheime’ Tore.

Auβerdem gibt es noch sieben weitere Durchfahrten für den Verkehr, die von der Mauer überspannt werden bzw. als kleine Tunnel konstruiert wurden, nicht eingerechnet die zwei Durchfahrten neben den für den Verkehr geschlossenen Nord- und Westtor.

Dazu kommt die bereits erwähnte Mauerlücke von angeblich 491 m Länge (Luftlinie wohl 250-300m), die dazu führt, daβ das imposante Südtor etwas einsam inmitten einer stark befahrenen Hauptstraβe im traditionellen Paldalmun Markt steht.

Hwaseong Fortress Missing Part of Wall - Arrows show the ends of the wall and the JanganmunHwaseong Fortress Missing Part of Wall – Arrows show the ends of the wall and the Janganmun
Hwaseong Fortress Missing Part of WallHwaseong Fortress Missing Part of Wall

Wenn man sich allerdings schon einmal mitten im Paldalmun Marktviertel befindet, sollte man sich ruhig etwas Zeit zum Bummeln durch das geschäftigen Treiben zwischen den engen und teilweise überdachten Gassen mit seinen unzähligen Restaurants, Lebensmittel-, Haushaltswaren und Bekleidungsläden nehmen.

Die alten Haupttore zählen natürlich zu den herausragenden Gebäuden der Anlage. Insgesamt sind es vier Tore, eines für jede Himmelsrichtung.

Wie die folgende Karte zeigt, ist ihre Anordnung nicht symmetrisch, was wohl mit der geographischen Lage der Stadt und den damaligen Verkehrswegen zusammenhängt.

Hwaseong Fortress Map (Wikipedia)Hwaseong Fortress Map (Wikipedia)

Aufgrund der relativ späten Bauzeit im 18. Jahrhundert sind sie mit den vorgezogenen Schutzmauer relativ modern konstruiert. Das auf einer Verkehrsinsel befindliche Südtor kann man leider (zumindest im Winter) nur von der gegenüberliegenden Straβenseite besichtigen. Das Tor ist verschlossen und es gibt keine ‘legale’ Möglichkeit, die Straβe zu überqueren.

DIe Tore werden durch zahlreichen Türme, Wächter-Platformen und Pavillions ergänzt.

Hier einige der interessantesten Bauwerke:

BongdonBongdon

Das Bongdon mit seinen fünf Kaminen hielt die Stadt und das Umland über die politische bzw. militärische Situation auf dem Laufenden. In Friedenszeiten stieg der Rauch nur aus einem Kamin, befand sich das Land und die Stadt im Krieg, rauchten alle fünf. Generell galt: je mehr sich das feindliche Heer der Stadt näherte, desto mehr Kamine rauchten bwz. waren nachts unter Feuer.

Die beiden Schleusentore im Norden (Buksumun) und Süden (Namsumun) ermöglichen das Durchflieβen des Daecheon durch die Verteidungsanlage. Anmerkung zu den Namen der Bauwerke: ‘Buk’ steht für Norden, ‘Nam’ für Süden (‘Seo’ für Westen, ‘Dong’ für Osten).

Die Gefechtsstände Seonnodae (auf Paldalsan) and Dongjangdae (nahe dem Changyeongmun/Osttor) dienten sowohl als Komandostände als auch als Ausbildungsbereiche für Soldaten. Bei Anwesenheit des Königs befand sich immer mindestens ein General im Dongjangdae.

Der Dongbukgangnu (mit Teich Yongyeon) ist der wohl romantischte Ort der gesamten Anlage.

Er war einer von vier provisorischen Gefechtsständen.

DIe Filial Piety Bell (Glocke) befindet sich nahe dem Seonnodae auf dem Hügel Paldalsan. Gegen ein kleines Entgelt darf man sie läuten und wird in der ganzen Stadt um den Hügel herum gehört.

DongbukgongsimdonDongbukgongsimdon

Der Dongbukgongsimdon diente als Beobachtungsturm. Man kann ihn von innen auf einer steilen Treppe besteigen und hat von oben einen guten Blick auf die gesamte Festungsanlage.

Zudem gibt es auch viele Verteidigungstürme, die auβerhalb der Winter- und Nachtzeit meistens betreten werden können.

Wenn nach der Mauerbegehung noch Zeit sein sollte, lohnt sich ein Besuch des Haenggung Palastes in der Innenstadt, der vom Nord- oder Südtor aus in 10 Minuten zu Fuβ zu erreichen ist.

Geschichte

 

Der Befehl zum Bau der Hwaseong-Festung kam von König Jeongjo, der den Gebeinen seines ermordeten Vaters Prinz Sado eine neue Grabstätte errichten und ihn damit ehren wollte.

King Jeongjo ((Scenery at Suwon Hwaseong Haenggung)King Jeongjo ((Scenery at Suwon Hwaseong Haenggung)

Auβerdem plante er, seine Residenz in die Festung zu verlegen, um abseits der konservativen Elite des Landes mit der Einführung von Reformen beginnen zu können. Die Festung war also durchaus auch als Schutz vor damit verbundenen inneren Konflikten zu sehen.

Auf Grund einer angemessenen Bezahlung seiner Arbeiter sowie dem Einsatz modernster Technologien dauerte der Bau der Mauer nur 2,5 Jahre und war im Jahre 1796 abgeschlossen.

Bewohner wurden mit finanziellen Anreizen wie z.B. temporären Steuererlässen oder Handelslizenzen zur Besiedelung der Anlage bewegt. Auβerdem wurde eine sehr gute Infrastruktur mit öffentlichen Einrichtungen geschaffen, der Ausbau als Wirtschaftsknotenpunkt angestrebt sowie eine groβe Anzahl Soldaten stationiert. Die Stadt wurde später in Suwon umbenannt.

Noch bis 1911 behielten Mauer und Stadt ihre ursprüngliche Struktur, dann begann während der japansichen Besatzung zwischen 1910–1945 der teilweise Abriss wichtiger Gebäude wie des Palastes bzw der Umbau zur anderweitigen Nutzung.

Im Koreakrieg war Suwon aufgrund seiner wichtigen strategischen Bedeutung hart umkämpft, wobei die Stadt und seine Festung stark beschädigt wurden. Glücklicherweise war der Bau der historischen Festung in sehr detailierter Form architektonisch dokumentiert worden, so daβ man bereits 1964 mit dem Wiederaufbau beginnen konnte.

Historical design drawings (Copies exhibited at Haenggung Palace)Historical design drawings (Copies exhibited at Haenggung Palace)

Da Korea nach dem Krieg noch relativ arm war, erfolgte dieser nur schrittweise und zog sich bis in die 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts hin. 1997 erfolgte schlieβlich die Aufnahme in die Liste der Weltkulturerbe.

Weitere Innenstadtkarten

 

Hwaseong Fortress Map 2 Hwaseong Fortress Map 3

Informationen

 

Öffnungszeiten:  24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr

Eintrittsgebühr: KRW 1.000 (Preisnachlass für Jugendliche, Kinder, Gruppen)

Tickets sind erhältlich an allen Informationsständen, die sich an vielen Stellen vor allem an der Nord und Westseite der Mauer, aber auch in der Innenstadt befinden. Man kann die Mauer überall unkontrolliert betreten, sollte aber fairerweise am nächsten Informationsstand das Ticket erwerben. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Ticket-Paket für den Zutritt zur Mauer, dem Haenggung Palast und 2 Museen für KRW 3.500 zu erwerben.

Aktivitäten:

1. Traditionelles Bogenschiessen (Gukgung) in der Nähe des Ost-Tores

(10 Pfeile für KRW 2.000)

Sommer: 9:00 – 18:00 Uhr

WInter:   9:00 – 17:00 Uhr

2. Läuten der Glocke auf dem Paldalsan (Filial Piety Bell)

Einzelpersonen oder Pärchen:   KRW 1.000

Gruppe von 3 oder 4 Personen: KRW 2.000

3. Hwaseong Bahn

Dieses etwas kitschige Gefährt mit einer Art Drachenlokomotive fährt zwischen 10:00 – 17:00 Uhr ungefähr zweimal pro Stunde vom nordwestlichen bis zum nordöstlichen Teil entlang der Mauer. Eine Fahrt kostet KRW 1.500 für Erwachsene, es gibt Preisnachlass für Jugendliche, Kinder und Gruppen.

Parken:

Parkplatz am Dongjangdae bzw. nahe dem Osttor

Parkgebühr sind KRW 2.000 für 3 Stunden

Derzeit gibt es auch mehrere kostenlose Parkplatzbereiche direkt auβerhalb der Mauer unterhalb des Dongjangdae bis Dongbukporu.

Das Parken innerhalb der Mauern zwischen Changyeongmun (Osttor) und Bongdon ist nur für Anwohner gestattet!

Öffentliche Toiletten sind ausreichend im Bereich der Mauer und in der Innenstadt vorhanden.

Es gibt auch einen Rollstuhl- und Kinderagenverleih.

 

Anreise:

Von Seoul am besten mit dem Zug zum Suwon Hauptbahnhof, von dort mit den Bussen 2, 7, 7-2, 8 oder 13 zur Jogno 4-geori Intersection. Von dort 5-10 Minuten zu Fuβ zur Festung.