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Jongmyo (Schrein / Shrine) Seoul

 

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Ahnenkult in Korea

Der Jongmyo Schrein ist ein konfuzianistischer Schrein, der in seinen Kammern die Ahnentafeln fast aller verstorbenen Könige und Königinnen der Joseon Dynastie (einschlieβlich auch die der Vorfahren des ersten Königs Taejo) beherbergt und zum Zwecke des Ahnenkults bereits zu Beginn der dynastischen Herrschaft im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Während die Leichname der Regenten nach dem Tod in Gräbern im heutigen Süd- bzw. Nordkorea beigesetzt worden waren, verbrachte man – umrahmt von einer einer groβen Zeremonie – deren Ahnentafeln nach dreijähriger Trauerzeit in den Jongmyo Schrein.

Genau wie bereits vor mehr als 600 Jahren ehren dort auch heute noch die traditionell gekleideten Nachfahren der Königsfamilie (die allerdings keine besondere gesellschaftliche Stellung mehr genieβen und zivilen Berufen nachgehen) an jedem ersten Sonntag im Mai bei rituelller Musik und Tanz in einer pompösen und teilweise öffentlichen Gedenkfeier (‘Jongmyo Jerye’) ihre Ahnen.

Auch wenn es für einige Touristen so erscheinen mag; hier handelt es sich um kein folkloristisches Schauspiel, sondern um gelebte Tradition.

Zwar lehnen heute fast alle Christen die Ahnenverehrung ab, sie wird aber nach wie vor in jährlichen Intervallen von vielen Koreanern an Schreinen (von vorwiegend reichen Familien) oder an den Gräbern der Toten gepflegt – allerdings bei weitem nicht in dem Umfang wie am Jongmyo Schrein.

Unabhängig davon gedenken die Koreaner auch am jährlichen Mondfest, dem Erntedankfest, ihren Vorfahren, wenn sich die gesamte Familie am Wohnsitz des Familienoberhauptes oder direkt bei den Gräbern zum Feiern versammelt.

 

Geschichtliches

 

Aber zurück zum Schrein, der 1394 vom Gründer der Joseon Dynastie, König Taejo (1335-1408), erbaut, während der Invasion der Japaner im Jahre 1592 jedoch zerstört worden war und 1608 in vergröβerter Form wiedererrichtet wurde. Die Ahnentafeln konnten glücklicherweise zuvor in Sicherheit gebracht werden.

King figure at Jongmyo ShrineKing figure at Jongmyo Shrine

Auch wenn der Schrein immer wieder erweitert und (für Holzgebäude nicht unüblich) restauriert wurde bzw. noch ein zweites Hauptgebäude errichtet worden war, stammt die Grundkonstruktion nach wie vor noch aus dieser Zeit. Im Jahre 1995 wurde der Jongmyo, inzwischen der älteste konfuzianistische Schrein weltweit, in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen.

 

Eine Führung durch den Schrein

 

Jongmyo Shrine Jongmyo Shrine

Besucht man den Schrein zwischen Sonntag und Freitag, ist man auf die vier täglichen 45-minütigen Führungen (in englischer Sprache) angewiesen. Dabei erhält man alle wichtigen Informationen und das Schreingelände ist relativ menschenleer. Allerdings werden nicht alle Gebäude im Detail besichtigt und es bleibt nur begrenzt Zeit zum Photographieren.

Samstags hat man die Möglichkeit, die gesamte Anlage ‘führerlos’ und in Ruhe zu besichtigen, man muβ allerdings je nach Tageszeit mit hohem Besucherandrang rechnen. Die Atmosphäre entspricht dann leider mehr einem Stadtpark als einem spirituellen Ort.

Wer Zeit und Interesse hat, sollte bei nur KRW 1.000 Eintritt pro Person erwägen, beide Optionen zu nutzen.

Jongmyo Main EntranceJongmyo Main Entrance

Die Führung startet am Haupttor und passiert zuerst das ‘Hyangdaecheong’, das kurz erklärt, aber leider nicht von innen besichtigt wird.

HyangdaecheongHyangdaecheong

Dort sind Kopien der Ahnentafeln, ein Gabentisch sowie andere Exponate ausgestellt, die sich mit dem Ahnenkult befassen.

Spirit Tablets - Left one represents the king, middle the queen, right beside the 2nd queen Ahnentafeln - Die linke Tafel repräsentiert den König, die mittlere die Königin, rechts daneben die zweite KöniginSpirit Tablets – Left one represents the king, middle the queen, right beside the 2nd queen
Ahnentafeln – Die linke Tafel repräsentiert den König, die mittlere die Königin, rechts daneben die zweite Königin

Man gelangt dann zum ‘Jaegung’, in dem der König und der Kronprinz vor der Gedenkfeier ein rituelles Bad nahmen bzw. sich vorbereiten konnten.

JaegungJaegung

Weiter geht es zum Platz vor dem Osttor des ‘Jeongjeon’, wo einst die Speisen für die Zeremonie vorbereitet wurden.

Jeonsacheong Jeonsacheong

Man kann kurz von auβen einen Blick auf den ‘Jeonsacheong’ werfen, während die Tour-Leiterin an einer Schautafel den Ablauf der Gedenkfeier erklärt.

Memorial serviceMemorial service

Dieser wird übrigens auch am Haupteingangstor vor dem Schrein in einem Animationsvideo sehr gut dokumentiert.

Jeongjeon East GateJeongjeon East Gate

Schlieβlich betritt man durch das einst nur für den König bzw. Kronprinzen vorbehaltene Osttor den groβen Platz vor dem nach Südwesten ausgerichteten, mehr als 100 Metern langen ‘Jeongjeon’, wo auch die jährlichen Gedenkfeiern der Nachkommen (‘Jongmyo Jerye’) stattfinden.

Yard in front of Jeongjeon and East gate in the backgroundYard in front of Jeongjeon and East gate in the background

Ähnlich wie ein Palasthauptgebäude ist das ‘Jeongjeon’ mit einer Mauer umgeben und nur durch Eingangstore zu betreten, allerdings vergleichsweise schlicht  in rötlichen bis braunen Farben bemalt.

Es hat 19 Kammern, die leider verschlossen bleiben und in denen die Tablets der 19 bedeutensten Könige sowie die von insgesamt 30 Königinnen beherbergt sind.

Die Bedeutung der Könige wird dabei an den Leistungen während ihrer Regentschaft gemessen. Aus diesem Grund befindet sich der konfuzianistischen Tradition nach die Tafel des bedeutensten Monarchen und Erfinder der koreanischen HANGUL Schrift, dem groβen König Sejong, in der Kammer am westlichen Ende (bzw. links bei Betrachtung des Gebäudes von vorne).

Die Ahnentafel von König Jeongjo (1752 – 1800), dem Gründer der Hwaseong Festung in Suwon, befindet sich übrigens ebenfalls hier, auch wenn ihm noch ein eigener Schrein in seiner Festungsanlage direkt neben dem Hwaseong Hwanggung gewidmet ist. Dieser ‘Hwaryeongjeon’ genannte Schrein beherbergt stattdessen allerdings nur ein Gemälde des Monarchen.

Hwaryeongjeon - King Jeongjo's portraitHwaryeongjeon – King Jeongjo’s portrait

Anmerkung:

Zwei Königen wurden die Ahnentafeln verwehrt: zum einen Yeonsangun (1494–1506), der auch aufgrund der grausamen Erziehung seines Vaters zum gehassten Tyrannen wurde und später gestürzt wurde sowie Gwanghaegun (1608–1623), ein gerade in auβenpolitisch schwierigen Zeiten erfolgreicher und heute durchaus als bedeutend angesehener König, der aber Machtkämpfen zum Opfer fiel und ebenfalls abgesetzt wurde. Beide erhielten nach ihrem Tode nicht die üblichen Ehrennamen (die alle auf ‘-jo’ oder ‘jong’ enden), sondern behielten ihre Prinzennamen (‘-gun’).

Die Besuchergruppe verlässt den ‘Jeongjeon’ durch das Westtor, das den ‘nicht-königlichen’ Teilnehmern der Zeremonie als Zugang vorbehalten war und begibt sich weiter zum ‘Yeongnyeonjeon’.

YeongnyeonjeonYeongnyeonjeon

Dieses nordwestlich gelegene Gebäude mit weiteren 16 Kammern wurde später erbaut, da trotz kontinuierlicher Erweiterung des ‘Jeongjeon’ nicht mehr ausreichend Platz zur Verfügung stand. Es enthält insgesamt 34 Ahnentafeln von Königen, die aufgrund ihrer kurzen Amtszeit oder aus anderen Gründen nicht zu gröβeren Errungenschaften in der Lage waren, sowie von deren Gemahlinen, postum zu Königen erklärten Prinzen oder auch Kronprinzen. Auch hier wird die jährliche Zeremonie der Familiennachkommen auf dem Vorplatz durchgeführt.

Damit geht die Führung bereits wieder dem Ende entgegen und man begibt sich langsam zurück zum Ausgang. Auf dem Rückweg geht man noch einmal an dem Steinplattenpfad entlang, der sich vom Eingangstor zum ‘Jeongjeon’ bzw. zum ‘Yeongnyeonjeon’ zieht und sich davor jeweils vor in zwei separate Wege gabelt.

Stone Path for Spirit and KingStone Path for Spirit and King

Der in der Mitte verlaufende erhöhte Pfad war den Geistern der Ahnen vorbehalten und sollte von sterblichen nicht betreten werden. Die davon östliche liegende Spur war dem König, die westliche dem Kronprinzen vorbehalten. Das restliche Gefolge bewegte sich seitlich davon, Königinnnen und Frauen nahmen nach konfuzianistischer (patriarchalischer) Tradition nicht an der Zeremonie teil.

Stone Path forking in front of Yeongnyeonjeon Stone Path forking in front of Yeongnyeonjeon

Nach der Gabelung verläuft der mittlere Pfad schlieβlich separat durch das Haupttor über den Vorplatz direkt zu den Stufen des Schreingebäudes, während die beiden Spuren für den König und seinen Thronfolger zum bereits erwähnten ‘Jaegung’, wo man sich auf die Zeremonie vorbereitete bzw. zum jeweiligen Osttor des Schreins führen.

Zum Schluβ

Der Platz vor dem Haupteingangstor zur Schreinanlage ist derzeit (Stand April 2015) leider noch durch einen Bauzaun versperrt. Dort hat man aber einige Kopien von alten Photographien und Karten des Jongmyo ausgehängt.

In Zukunft könnte der Jongmyo wieder mit dem Gelände des benachbarten Changdeokgung Palastes verbunden sein, was den weiten Umweg um die Auβenmauer des Schreins ersparen würde. Man ist dabei, die breite Hauptstraβe, welche beide Gelände derzeit trennt, unter die Erde zu verlegen. Früher hatte noch eine Brücke beide Sehenswürdigkeiten verbunden.

 

Eintritt & kostenlose Führungen

 

Ticketpreis:                      KRW 1000 (Kinder KRW 500)

Im ‘Integrated Ticket of Palaces’ enthalten.

 

März – September              09:00 – 18:00Uhr

Oktober – Februar              09:00 – 17:30Uhr

  • Dienstag Ruhetag
  • Ticketverkauf endet 1 Stunde vor Schlieβung

 

Führungen:

Englisch:      10:00, 12:00, 14:00, 16:00Uhr (jeweils 45 Minuten)

 

Lage und Anfahrt

 

Der nächstgelegene U-Bahnhof ist Jongno-3-ga. Der Bahnhof ist sehr weitläufig. Sollte man mit der Linie 3 oder 5 ankommen, empfiehlt sich Ausgang 7 (oder 8), bei Ankunft mit Linie 6 eher Ausgang 11 (oder 12). Entsprechend unterer Karte erreicht man das Eingangstor des Schreins zu Fuβ innerhalb von 10 Minuten.

Jongmyo Arrival Map