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Museum der Geschichte Seouls / Seoul Museum of History

 

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Man kann es gleich vorweg sagen: als Tourist muβ man dieses Museum nicht unbedingt gesehen haben, auβer man interessiert sich für die Entwicklung und Veränderung der Stadt vom Beginn der Joseon Dynastie im Jahre 1395 bis zur Gegenwart.

Dann sollte man sich entsprechend seinem Interesse 45 Minuten oder auch zwei Stunden Zeit nehmen und die liebevoll gestaltete Austellung im 3. Stockwerk des Gebäudes genieβen. Besucher, die sich etwas in Seoul auskennen, werden vor allem auch durch den Vergleich alter Photoaufnahmen mit der heutigen Zeit fasziniert sein.

Wer hier jedoch archäologische Schätze oder historisch-politische Fakten, Daten und Hintergründe erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Denn das ‘ Seoul Museum of History ‘ dokumentiert mittels seiner Exponate, Modelle, Photos und Videos in erster Linie das Alltagsleben der Menschen aller gesellschaftlichen Schichten der Stadt.

Die Aufmachung des Museums sowie die Art der angebotenen Informationen deutet bereits darauf hin, das zu der Zielgruppe des Museums auch (Vor-)-Schulklassen zählen, denen man kurzweilig und anschaulich Geschichte vermitteln will, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Trotzdem sei Ausländern, die sich über einen längeren Zeitraum in der Stadt aufhalten, ein Besuch ans Herz gelegt.

Die meisten Informationen sind in englischer Übersetzung beigefügt, viele Stadtkarten sind allerdings nur in koreanisch oder chinesisch beschriftet und für westliche Touristen nicht immer nachvollziehbar. Dass sich daher nur wirklich stadtkundige Besucher mit den in den englischen Schautafeln aufgeführten Ortsnamen zurechtfinden werden, dürfte aber ein zu vernachlässigender Makel sein. Das Museum bietet hierzu sowohl Audio Guides als auch ausreichend QR und NFC Tags, um wichtige Informationen uber Scanner Apps auf das Handy abrufen zu können (hat bei mir nicht fuktioniert, was allerdings nichts heissen muβ).

Museum BacksideMuseum Backside

 

Was kann der interessierte Besucher im Detail erwarten?

 

Bereits vor dem Museumsgebäude trifft man auf einige Exponate, in deren Muttelpunkteine alte, 1968 ausrangierte Straβenbahn steht.

Innerhalb des Gebäudes ist die permanente Ausstellung in 5 Zonen eingeteilt:

Zone 1 – Seoul während der Joseon Dynastie (1392~1863)

Zone 2 – Die Hauptstadt des ‘Daehan Imperiums’ (1863~1910)

Zone 3 – Seoul während der Japanischen Besatzung (1910-1945)

Zone 4 – Entwicklung Seouls zwischen 1945 und 2002

Zone 5 – Seoul, Heute und in Planung

 

Zone 1…

…ist der Zeit der Joseon Könige gewidmet. Gegründet wurde diese Dynastie im Jahre 1395 von König Taejo, ihm folgten 26 weitere Regenten.

Hier wird die Organisation des Staates sowie das Leben der Oberschicht und der einfachen Bürger dokumentiert. Viele liebevoll gestaltete Modellbauten und Exponate geben Einblick in den Alltag mit Arbeit, Handel, Politik, Bildung, Geburt, Hochzeit und Tod.

Die Zone 2…

… befasst sich vor allem mit der Regierungszeit des (allerdings einer Nebenlinie der Familie entstammenden) 26. Joseon-Regenten Gojong und dem im Herbst seiner Regierungszeit ausgerufenen koreanischen Kaisereich, das schlieβlich nach nur 13 Jahre mit der Annektierung Koreas durch Japan endete.

Dabei wird auch auf Gojongs Bemühungen zwischen 1864 und 1897 eingegangen, Korea nicht nur dem Ausland zu öffnen, sondern davon inspiriert auch den Staat und die Gesellschaft zu modernisieren. Durch den Wiederaufbau des Gyeongbokgung Palastes, dem Aufbau einer leistungsstarken Industrie und Reformen in vielen Bereichen wollte er das Land wieder zu alter Gröβe führen.

Allerdings erfährt man dann wenig über die politischen Hintergründe, die letzten Endes zur Proklamation des Koreanischen Kaiserreichs führten. Vielmehr widmet sich die Ausstellung in Form von Videos und vor allem alten Photos dem Leben der Ausländer und Diplomten in der Stadt und deren Rolle in der koreanischen Gesellschaft.

Alte Photos vom Wohnsitz des Kaisers, dem heutigen Deoksugung Palast, sowie dem normalen Leben in Seoul machen diesen Bereich aber dennoch sehr interessant.

Zone 3…

…berichtet von der Unterdrückung durch die Japanischen Besatzer, aber auch von deren (eigennütziger) Anstrengung, sowohl die Infrastruktur im Land durch den Bau eines Eisenbahn- und Straβennetzes als auch die Hauptstadt selbst zu modernisieren.

Zu diesem Zweck wurde sofort mit dem Abriss der Stadtmauern sowie mit der Beseitigung oder Umgestaltung von Machtsymbolen der Joseon Regenten begonnen. Dies beinhaltete auch die Zweckentfremdung einger Paläste als städtische Zoos oder Vergnügungsgärten.

Vor dem einst so imposanten Gyeongbokgung Palast wurde ein riesiges Verwaltungsgebäude errichtet, der Palast selbst gröβtenteils abgetragen.

Teile des Gyeonghuigung mussten einer Schule weichen, wobei dieser Palast schlieβlich völlig verschwand.

Auch die damalige Widerstandsbewegung wird thematisiert, der Zeit während des 2. Weltkriegs ist eine Ausstellungsfläche in einem dunklen Tunnel mt vergitterten Schaufenstern gewidmet.

Word War IIWord War II

Dann beginnt die 4. Zone,…

Zone 4 - 1945 until 2002Zone 4 – 1945 until 2002

…in der aber der Koreakrieg von 1950 -1953 nur wenig Raum einnimmt.

Ruined Seoul 1950Ruined Seoul 1950

Vielmehr wird von nun an der Wiederaufbau und die infrastrukturellen Fortschritte innerhalb Seouls beschrieben.

Besonders interessant sind dabei ein Modelbau der Innenstadt Seouls, der besondere Bereiche mit farbige Lichtspiel hervorhebt.

Seoul Down Town 3D-ModelSeoul Down Town 3D-Model
Seoul Down Town 3D-Model - Colored LightSeoul Down Town 3D-Model – Colored Light

Auβerdem wurde u.a. eine typische Apartmentwohnung der 80iger Jahre sowie ein kleines Restaurant nachgebaut, wobei man letzteres in ähnlicher Form auch heute noch tausendfach in Seoul und Korea finden kann.

Apartment Model (in the 80s)Apartment Model (in the 80s)

 

Zone 5…

…ist einer der Höhepunkte des Museums: das ‘Seoul Panorama Theater’, in dem sich ein dreidimensionales Modell der gesamten Stadt Seoul im Maβstab 1 : 1.500 befindet.

Zone 5 - Seoul 3D-ModelZone 5 – Seoul 3D-Model

Dieses besteht aus ca. 700.000 Einzelteilen verteilt auf einer Fläche von 21,5 x 14,5m. Auch hier kann man sich, falls dem Koreanischen mächtig, mittels farbiger Lichtstrahler gegenwärtige und zukünftige Projekte anzeigen lassen.

Übrigens gibt es im 1. Stock (Erdgeschoss) immer auch temporäre Austellungen zu gemischten Themen.

Ein Besuch des ‘Seoul Museum of History’ kann mit der kostenlosen Besichtigung des benachbarten Gyeonghuigung Palastes kombiniert werden. Man erreicht ihn durch den Hintereingang des Gebäudes nach maximal 250m Fuβmarsch.

Anmerkung:

Wer sich für die Stadtgeschichte vor der Joseon Zeit interessiert, kann das Seoul Baekje Museum besuchen. Das ‘National Museum of Korean Contemporary History’ nahe dem Gwanhamun (Gyeongbokgung Palast) dokumentiert die Geschichte ganz Koreas ab 1945.

Besuchszeiten

 

Ticketpreis:                  freier Eintritt

 

Öffnungszeiten an Wochentagen:

Januar – Dezember       09:00 – 20:00Uhr

 

Öffnungszeiten an Wochenenden und Feiertagen*:

März – Oktober               09:00 – 19:00Uhr

November – Februar      09:00 – 18:00Uhr

*ausgenommen 1. Januar

  • Montag Ruhetag

Parkplätze sind verfügbar, plant man länger als 2 Stunden zu bleiben wird es aber teuer (Basistarif bis zu 2 Stunden sind KRW 3.000, von da an KRW 400 für jeweils 5 Minuten)

 

Lage und Anfahrt

 

Seoul Museum of History - Location Map Seoul Museum of History – Location Map

Wer nicht mit dem Bus, Taxi oder Auto fährt, muβ mindestens 10-15 MInuten vom nächsten U-Bahnhof aus laufen.

Die beiden nächstgelegenen Bahnhöfe sind ‘Seodaemun’ (Ausgang 4) und ‘Gwanghamun’ (Ausgang 8 und 1) der Linie 5, beide liegen etwa in gleicher Enfernung zum Museum, vom ‘Seodaemun’ aus ist die Orientierung entlang der Hauptstraβe aber sicherlich einfacher (entsprechend unterer Karte).

Anreise Map