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Königsgräber von Songsan-ri / Royal Tombs of Songsan-ri (Gongju)

 

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Die Tatsache, dass der Zutritt in das Innere der sieben ‘Königsgräber von Songsan-ri’ verwehrt bleibt, mag auf den ersten Blick etwas enttäuschend sein, da sich dort einige wunderschöne und architektonisch interessante Grabkammern verstecken.

Tomb No. 1 - 4Tomb No. 1 – 4

Diese wurden gröβtenteils bereits während der japanischen Besatzungszeit zwischen 1910 – 1945 entdeckt, wobei hier vermutet wird, dass deren Inhalt von den Japanern vorab entwendet worden war. Fakt ist, dass die Archäologen meist nur auf einige wenige Fundstücke stieβen, so dass vor allem die Kammern selbst zur wichtigsten Grundlage ihrer Forschungsarbeit wurden.

Square-shape Stone Mound (purpose is unclear)Square-shape Stone Mound (purpose is unclear)

Die Frage, warum z.B. sogar die relativ groβen Königsgräber von ‘Daereung-won’ in ‘Gyeongju’ so schwer zu entdecken waren, ist relativ einfach zu beantworten: Korea ist ein gebirgiges Land und mit natürlichen Erhebungen oder künstlichen Grabhügeln in jeder Gröβe geradezu übersät. Sind diese nach Jahrhunderten vergessenen Orte zusätzlich noch von Pflanzen uberwuchert oder haben ihre ursprüngliche Form mehr oder weniger verloren, muss schon der Zufall bei der Entdeckung helfen.

Wie im Jahre 1971, als man beim Bau neuer Abwasserschächte für die Gräber Nr. 5 und 6 auf eine noch völlig unberührte Kammer stieβ.

Tomb Scenery during Discovery in 1971 (Tunnel)Tomb Scenery during Discovery in 1971 (Tunnel)

Darin wurde nicht nur insgesamt 2.906 Artefakte gefunden, sondern auch noch einige Teile des Sarges, der aus einem speziellen – aus Japan importierten – Holz gefertigt worden war.

Auf den ebenfalls beigefügten Steintafeln waren die Namen und Lebensdaten der Bestatteten eingraviert, bei denen es sich um König ‘Muryeong’ sowie um seine Ehefrau handelte, die laut der Aufzeichnungen 3 Jahre nach ihm gestorben und nachträglich beigesetzt worden war.

Bis heute ist dieses Grab mit der Nr. 7 in Songsan-ri das einzige aus der Baekje-Zeit, das einem König namentlich zweifelsfrei zugeordnet werden konnte.

Tomb No. 7 of King MuryeongTomb No. 7 of King Muryeong

Die Grabbeigaben sind heute im nahegelegenen ‘Gongju National Museum’ ausgestellt. Zudem wurden die Zugänge zu allen Gräbern der Anlage mit schweren Eisentüren verschlossen. Denn der Einfluβ von Wittterungsbedingungen sowie ein neugieriger Besucherstrom würde eine schleichende Zerstörung der Grabkammern nach sich ziehen, die man für die Nachwelt mit ihren vielleicht noch moderneren und effektiveren Forschungsmethoden aufbewahren möchte.

Der Besucher muss jedoch nicht seine Fantasie strapazieren, da – ebenfalls innerhalb eines nachträglich geschaffenen groβen Erdhügels – ein Ausstellungsbereich geschaffen wurde, in dem drei der Gräber (teils mit sehr niedrigem Eingangsbereich!) originalgetreu nachgebaut wurden und zudem betreten werden können.

Model No. 7 Tomb of King MuryeongModel No. 7 Tomb of King Muryeong

Interessant ist auch die Variante, diese zusätzlich nochmal als 1:1 Querschnittsmodell zu präsentieren.

Cross Section Model No. 7 Tomb of King MuryeongCross Section Model No. 7 Tomb of King Muryeong

Der Hauptteil der Ausstellung beschäftigt sich natürlich mit dem Grab Nr. 7 von König ‘Muryeong’, zu dem man mit vielen Hintergrundinformationen versorgt wird.

So wird anhand von Modellen sowohl die Herstellung der schwarzgebrannten und z.B. mit Lotosblüten-Symbolen und Schriften versehenen Ziegeln, die im gewölbten Deckenbereich in trapezförmiger Ausführung eingesetzt wurden, erläutert als auch auf die Errichtung des Deckengewölbes mittels einer Holzkonstruktion eingegangen.

Chamber Construction ModelChamber Construction Model

Die Ziegel waren in bestimmten Formationen horizontal und vertikal alternierend eingesetzt (z.B. vier Reihen waagrecht, eine Reihe senkrecht).

Fenster-Attrappen sowie in die Wand eingelassenen Kerzenbehälter sind Beleg dafür, dass das Grab lediglich als Warterraum für den Übergang in eine andere Welt angesehen wurde und daher den Eindruck eines Wohnraums vermitteln sollte.

Fake Window BricksFake Window Bricks

Die Wände waren in jeder Himmelsrichtung mit Tiergottheiten wie Drachen oder Schlangen bemalt, die Schutz vor dem Bösen bieten sollten.

Diese aus der chinesischen Han-Dynastie übernommenen Symbole finden sich übrigens auch auf den Flaggen an den Festungsmauern des ‘Gongsanseong’ wieder.

Gongsanseong Flag SymbolsGongsanseong Flag Symbols

Die im Modell des Grabes Nr. 5 zu sehenden weiβen Flecken an den Wänden sind allerdings nur Überreste einer einst vollständigen Verputzung der Grabwände, die das Eindringen von Wasser, Getier,… verhindern sollte.

Cross Section Model Tomb No. 5 Cross Section Model Tomb No. 5

Zwischen Eingangstunnel und dem Bereich mit den Särgen war eine breitere Rinne eingelassen, die eventuell eindringendes Wasser durch einen Kanal nach auβen abführen sollte.

Ein 1:1 Schau-Modell zeigt die teils stark verstreute Position und Anordnung der wichtigsten Fundstücke bei der Öffnung des Grabes.

Tomb No. 7 Discovery Site (total)Tomb No. 7 Discovery Site (total)

Forscher vermuten, das diese Verstreuung durch damals relativ häufig vorkommende Erdbeben verursacht worden ist. Von den Bestatteten waren nach 1500 Jahren keinerlei Übereste mehr vorhanden. Die Position der Kopf- und Fuβstützen könnte allerdings vermuten lassen, dass das Königpaar mit dem Kopf dem Eingangstunnel zugewandt lag.

Tomb No. 7 Discovery Site (Coffin Area)Tomb No. 7 Discovery Site (Coffin Area)

Die hier ebenfalls ausgestellten Grabbeigaben sind natürlich Repliken der Orginalstücke aus dem ‘Gongju National Museum’.

Gerade die hervorragende Ausstellungshalle, die man am besten vor dem Gang zu den Grabhügeln besichtigt, macht den 30 – 40 minütigen Besuch sehr lohnenswert.

Denjenigen, die mehr über die Gongju-Periode des Baekje Königreiches erfahren möchten, ist das vor dem Haupteingang liegende ‘Ungjin Baekje Historical Museum’ zu empfehlen.

Historical Museum - Upper EntranceHistorical Museum – Upper Entrance

Die Austellung beschränkt sich allerdings auf Schautafeln und Videovorführungen und benötigt 20…30 Minuten.

Historical Museum - Exhibition AreaHistorical Museum – Exhibition Area

Wichtiger wäre aber ein Besuch der Grabausstellung im ‘Gongju National Museum’ (Erdgeschoβ). Die Originale der Fundstücke aus den Gräbern sollte man unbedingt gesehen haben!

Wer generell mehr über ‘Baekje’ erfahren möchte, findet unter den beiden folgenden Links eine sehr gute Zusammenfassung der Geschichte des Königreichs (leider nur in Englisch):

Foundation and Expansion of Baekje

Revival and Development (and Collapse) of Baekje

Eintritt & Öffnungszeiten

 

Ticketpreis:                      KRW 1500

Teenager                         13 – 18 Jahre KRW 1000

Kinder                              < 13 Jahre     KRW 700

 

Ganzjährig                      9:00 – 18:00Uhr

  • Geschlossen während des Chinesischen Neujahrsfestes und während dem Mondfest
  • Letzter Eintritt 30 Minuten vor Schlieβung

 

Sollte sie eine etwas ältere Frau an der Rezeption der Ausstellungshalle sehen, fragen sie ruhig mal ob sie Zeit zu einer Führung hat – sie spricht sehr gut Englisch.

Lage und Anfahrt

 

Kostenlose Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Ab dem Gonju Busterminal hält die Buslinie #101direkt vor dem Eingangsbereich zu den Gräbern von Songsan-ri.

Leider ist Gongju nicht in das Bahnnetz des Landes eingebunden, die Stadt ist aber von Seoul und Daejeon aus direkt per Expressbus zu erreichen. Sicherheitshalber sollte man sich aber nochmals erkundigen, ob der Bus auch wirklich an beiden Bus-Terminals in Gongju hält (wovon man eigentlich ausgehen sollte).

Gongju Map (Wikipedia)Gongju Map (Wikipedia)

Die obige Karte zeigt: der alte Busterminal liegt ganz in der Nähe der ‘Gongsanseong’ Festung, ein weiterer im neuen Stadtteil auf der anderen Seite des Flusses (ca. 20 Minuten zu Fuβ zum ‘Gongsanseong’).

 

Busse von Seoul nach Gongju (ca. 90 Minuten)

  • ab Seoul (Express Bus Terminal)

06:00 – 23:00Uhr im 40-Minuten-Takt

  • ab Seoul (Nambu Terminal)- Gongju

06:40 – 19:40Uhr im 20-Minuten-Takt

Busse von Daejeon nach Gongju (ca. 70 Minuten)

  • ab Daejeon Dongbu Terminal

07:00 – 21:00 Uhr – 22 Busse pro Tag

  • ab Daejeon Seobu Terminal

06:29 – 22:30Uhr im 5-Minuten-Takt (Reisedauer 60 Minuten)